Extensive Agri-PV: So klappt’s mit der Biodiversität!

Wie viele PV-Anlagen gibt es in Deutschland? (Stand: Ende 2022)

Deutschlandweit waren Ende letzten Jahres laut dem Bundesverband Solarwirtschaft e.V. (BSW Solar) rund 2,65 Millionen Solarstromanlagen (Photovoltaik-Anlagen) installiert. Sie kommen zusammen auf eine Leistung von 67,4 GigawattPeak (GWP). 2022 erzeugten die Photovoltaik-Anlagen hierzulande demnach 61,9 Terawattstunden (TWh) Solarstrom. Das entspreche knapp einem Achtel (12 Prozent) der Nettostromerzeugung zur öffentlichen Stromversorgung im Jahr 2022. Laut Bernhard Strohmayer sei der Großteil der Anlagen eher klein und an den Fassaden und auf den Dächern von Gebäuden installiert, während deutlich weniger große Anlagen auf Freiflächen installiert seien. Den Anteil der Freiflächen-PV an der Gesamt-PV-Leistung in Deutschland beziffert Strohmayer auf knapp ein Drittel (32 Prozent): 21 GWP

Wie viele PV-Anlagen braucht Deutschland, um Klimaneutralität zu erreichen?

Laut den Plänen zur Umsetzung der Energiewende reicht das bislang installierte PV-Volumen noch lange nicht für das große Ziel: Klimaneutralität. Doch für einen rascheren und stärkeren Zubau an Photovoltaik (PV) sind Installationsflächen nötig – und zwar sehr viele: Flächen auf und an Gebäuden ebenso wie Freiflächen. Letztere könnten sich als Booster für den PV-Zubau erweisen, wenn denn alle Akteure an einem Strang zögen und ihre Interessen bündelten, um alle Ziele – Energiewende, Klimaschutz, Naturschutz und Schutz der Artenvielfalt (Biodiversität) – zu erreichen. 

Im Podcast gewährt Bernhard Strohmayer einen Ausblick auf den Bedarf an PV als eine der Säulen der Energiewende, um die volle Klimaneutralität wie geplant bis 2045 zu erreichen: Ihm zufolge sei dazu ein PV-Volumen von 1.000 GWP nötig. Nach dem Verhältnis von Gebäude-PV zu Freiflächen-PV gefragt, geht er dann von 50:50 aus. Das bedeute Pi mal Daumen gerechnet, dass Deutschland folgenden PV-Zubau brauche: 943 GWP. Der Zubau an Freiflächen-PV, die künftig ein Volumen von 500 GWP haben sollte, müsste dann 479 GWP betragen. 

Wie viel PV-Fläche braucht Deutschland, um die Klimaziele bis 2030 zu erreichen?

Das heiße, dass allein in den nächsten sieben Jahren (Klimaschutzziele bis 2030) etwa 74.000 Hektar (ha) Fläche nur für Solaranlagen gebraucht werden. Dabei legt Strohmayer klassische Freiflächenanlagen zu Grunde. Auf die Frage, ob er einen anschaulichen Vergleich dazu parat hätte, um sich diese Fläche vorzustellen, antwortete Bernhard Strohmayer, dass diese in etwa dem Viereinhalbfachen der Fläche entspräche, die das sogenannte Grüne Band umfasse. 

Exkurs: Was ist das Grüne Band?

Das Grüne Band ist die rund 1.400 Kilometer lange Landschaft entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Es reicht demnach von der Ostsee bis ins sächsisch-bayerische Vogtland. Dort ist die biologische Vielfalt besonders hoch: Laut dem BUND leben dort mehr als 1.200 gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Das Grüne Band ist demnach der größte Biotopverbund Deutschlands und sogar im Bundesnaturschutzgesetz verankert. Es gilt als nationales Naturerbe.

Woher Flächen nehmen?

Strohmayer betont im Podcast, dass die Förderkulisse vom Gesetzgeber insbesondere mit den Novellierungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) im Jahr 2021 (EEG 2021) und 2023 (EEG 2023) deutlich erweitert worden sei, so dass deutschlandweit theoretisch mehr Flächen zu Verfügung stünden, um darauf förderfähige PV-Freiflächen-Anlagen zu errichten, als noch zuvor. Er zählt unter anderem die Erweiterung der förderfähigen Flächen 

  • entlang von Verkehrswegen von vormals 200 auf 500 Meter (m) breite Streifen, 
  • die Freigabe benachteiligter Gebiete im Ermessen der einzelnen Bundesländer, 
  • Gewässer für Floating-PV, 
  • bislang entwässerte und landwirtschaftlich genutzte Moorböden 
  • sowie Grünland für Agri-PV auf.  

Wobei der EE-Experte im Podcast vom PV Magazine auch anmerkt, dass viele Freiflächenanlagen in Deutschland längst außerhalb der EEG-Förderung errichtet würden, insbesondere in den östlichen und nördlichen Bundesländern mit viel Sonneneinstrahlung. 

Die Frage, ob die deutschlandweit zur Verfügung stehenden Flächen aus der EEG-Förderkulisse für den nötigen PV-Zubau bis 2030 reichen würden, beantwortet Strohmayer positiv. Die bis 2030 geplanten 70 GWP Zubau seien damit durchaus machbar.

Allerdings stellt er an dieser Stelle auch die Frage in den Raum, ob es sinnvoll sei, die Förderkulisse entsprechend auszureizen. Strohmayer beschreibt dazu, dass sich künftige Betreiber von PV-Freiflächenanlagen mit Recht nicht nur auf die Förderkulisse konzentrieren würden. Vielmehr schauten sie inzwischen danach, 

  • wo die Pachtpreise für die Flächen günstig seien 
  • und wo ein Anschluss ans öffentliche Stromnetz schnell und einfach realisierbar sei. 

Strohmayer zufolge sei der Ansatz „Förderkulisse“ nicht für jeden Solarpark-Akteur der richtige. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass Deutschland möglichst viele und möglichst große Solarparks brauche. 

Der EE-Experte weist in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass es in einigen Bundesländern bei der Bewilligung von Solarparks zu enormen Staus komme, zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Thüringen, Niedersachen und Bayern. 

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Privilegierung von Freiflächen: Was bedeutet die neue Regelung im Baurecht für die Flächenfindung für PV?

Das „Gesetz zur sofortigen Verbesserung der Rahmenbedingungen für die erneuerbaren Energien im Städtebaurecht" sehe vor, dass Solarparks baurechtlich privilegiert seien, wenn sie auf einer Fläche längs von Autobahnen und mehrgleisigen Schienenwegen des übergeordneten Netzes gebaut würden. Es ist am 11. Januar 2023 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht worden. In der Gesetzesbegründung heißt es, dass der Streifen entlang von Autobahnen und Schienenwegen von optischen und akustischen Belastungen vorgeprägt sei, so dass Solarparks dort ohne die Durchführung eines Planverfahrens ermöglicht werden sollen.

Wissen müssen Sie, dass die neue Privilegierung nur für Flächen mit einem Abstand von höchstens 200 m vom äußeren Fahrbahnrand gilt. Für Solarpark-Vorhaben dort müsse der neuen Regelung zufolge kein Bebauungsplan mehr erstellt werden. Ein Zulassungsverfahren sei allerdings immer noch nötig. Im Zuge dessen werde geprüft, ob dem Vorhaben öffentliche Belange oder Ziele der Raumordnung entgegenstünden. Das im § 2 EEG vor kurzem eingeführte überragende öffentliche Interesse am Ausbau der erneuerbaren Energien (wir berichteten) dürfte laut der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen auf der anderen Seite ein ordentliches Gewicht in die Waagschale bringen.

Das Fernstraßen-Bundesamt habe demnach auch das bisher gültige Verbot von Bauten in einem Abstand von 40 m zur Fahrbahn aufgeweicht: Es gelte nicht mehr generell, sondern könne nach Prüfung des Einzelfalls entfallen. Damit könne der Klimaschutz- und Energieagentur zufolge bei einer Vielzahl von Vorhaben die gesamte Fläche im Abstand von 200 m zur Fahrbahn für Solarparks genutzt werden.  

Der bne hält die weitere Privilegierung von Solarparks im Baugesetzbuch für den falschen Weg. In der zugehörigen Pressemeldung begründet der Verband diese Ansicht damit, dass Kommunen so nicht mehr selbst über die Planung von Solarparks entscheiden könnten, was der Akzeptanz der EE-Anlagen vor Ort schade. Der Gegenvorschlag des bne lautet daher, stattdessen das Bebauungsplanverfahren zu vereinfachen und die Verfahrensfreiheit für Solarparks nach bayerischem Vorbild voranzutreiben. Kommunen, die beim PV-Ausbau schneller sein wollten, sollte das so leicht wie möglich gemacht werden“, sagte der bne-Geschäftsführer Robert Busch gegenüber der Presse.  

Ausführlicher diskutieren wir die Privilegierung von Freiflächen in diesem Beitrag auf unserem Blog, schauen Sie gerne rein!

Was ist mit landwirtschaftlichen Flächen als Standorte für Solarparks?

Nahezu alle Solarparks in Deutschland stünden Bernhard Strohmayer zufolge auf landwirtschaftlichen Flächen, entweder als förderfähiger Solarpark oder als PPA-Projekt (Mehr zum Thema PPA lesen Sie bei uns im Blog, zum Beispiel hier!). Nur ein geringer Teil sei dagegen auf sogenannten Sondergebieten errichtet worden. Was es mit Sondergebieten auf sich hat, erfahren Si ein unserem Beitrag „PV-Freiflächen – diese 12 Fakten sollten Sie kennen!“. 

Für förderfähige PV-Freiflächenanlagen kämen bislang allerdings nur weniger wertige landwirtschaftliche Flächen zum Einsatz. Hier bringt Strohmayer den Begriff extensive Agri-PV ins Spiel: Denn ihm zufolge müsse die Landwirtschaft Flächen für den Naturschutz freigeben und selbst ökologischer werden. Das ließe sich mit Biodiversitäts-Solarparks erreichen, wo extensive Agri-PV betrieben würde.  

Das sollten Sie dazu wissen: Das EEG beschränkte den Bau förderfähiger Solarparks bislang auf landwirtschaftlich vermeintlich unattraktive Gebiete. Strohmayer berichtet jedoch, dass immer mehr Solarparks ohne EEG-Förderung abseits der Flächenkulisse in Kommunen entstünden, die bereit seien, Bebauungspläne zu erstellen. Der bne-Fachmann betont, dass die kommunale Planungshoheit richtig sei, denn man müsse umdenken: 

  • Weg von: Wo stören Solarparks nicht?
  • Hin zu: Wo lassen sich Solarparks gut integrieren?

Er ist der Ansicht, eine extensive Bewirtschaftung sehr großer Solarparks biete den landwirtschaftlichen Betrieben eine wirtschaftliche Perspektive und könne gleichzeitig dazu beitragen, die Biodiversität zu erhöhen.

Was ist extensive Agri-PV?

Der bne führt mit den Begriffen Biodiversitäts-Solarpark und extensive Agri-PV eine neue Kategorie in die Photovoltaik-Welt ein. Die Bedeutung lässt sich an dieser Stelle nur aus dem bereits Bekannten ableiten: Ein Biodiversitäts-Solarpark wäre demnach eine PV-Freiflächenanlage, die Biodiversität, also Artenvielfalt, maximal erhält und/oder fördert. Extensive Agri-PV wäre demnach ein Solarpark auf einer landwirtschaftlichen Fläche, die extensiv bewirtschaftet wird. 

Was ist extensive Landwirtschaft?

Laut Eurostat, dem Statistischen Dienst der Europäischen Union, ist bei extensiver Landwirtschaft – im Gegensatz zu intensiver –  der Einsatz an Kapital und Arbeit für unter anderem Düngemittel, Pestizide, Maschinen je Fläche gering. Aber: Das gilt dann auch für die pflanzlichen Erträge pro Flächeneinheit. Denn die sind bei extensiver Landwirtschaft auch geringer.

Extensive Landwirtschaft ist Eurostat zufolge allgemein umweltverträglicher. Dank des geringeren Düngemittel- und Pestizideinsatzes ist demnach auch die Gefahr geringer, dass Nährstoffe und Pestizide in Oberflächen- und Grundwasser gelangen. 

Extensive Agri-PV sei Strohmayer zufolge einer kurzzeitigen Stilllegung landwirtschaftlicher Flächen vorzuziehen. Diese Ansicht begründet der EE-Expert vom bne damit,  dass sich somit die langfristige ökologische Entwicklung der Fläche bereits von Beginn an festlegen und einpreisen lasse. Strohmayer erklärt dazu, dass diese Diskussion aber noch zu selten stattfinde. Denn ihm zufolge gelte eine extensive landwirtschaftliche Nutzung bislang beispielsweise noch nicht als Agri-Photovoltaik. Er befürchtet, dass das Baurecht diese Entwicklung behindern könnte, wenn es mit privilegierten Bauvorhaben einerseits zwar die Errichtung von Solarparks erleichtere und beschleunige, andererseits aber die Einflussnahme seitens der Kommunen auf die Qualität des Solarparks und die Flächenbewirtschaftung beseitige.

In einer aktuellen Pressemeldung begrüßte der bne die „BMWK-Strategie zur Beschleunigung des PV-Ausbaus weitgehend“. Der bne-Geschäftsführer, Robert Busch, sagte gegenüber der Presse, dass die PV-Strategie des BMWK viele gute Punkte enthalte, die den Ausbau der Photovoltaik vereinfachen und beschleunigen würden. Er wies zugleich aber darauf hin, dass es gelte, in den beiden für 2023 angekündigten Solarpaketen auch Querschnittsthemen im Bau-, Landwirtschafts- und Steuerrecht sowie den Bürokratieabbau anzugehen.

So befürworte der Bundesverband ausdrücklich, dass 

  • „eine Duldungspflicht für Anschlussleitungen von Solarparks, 
  • eine Umwandlung der Länderöffnungsklausel bei benachteiligten Gebieten in eine Opt-Out-Regelung
  • und die Vereinfachung von Hofübergaben in Landwirtschaftsbetrieben mit Freiflächenanlagen

kämen. Das seien Busch zufolge „entscheidende Enabler-Maßnahmen für den PV-Turbo“. Die Strategie sollte außerdem bessere Bedingungen für PPAs schaffen, fordert Busch gegenüber der Presse.  

Aus Sicht des bne erfreulich sei zudem, dass die Biodiversität-PV als extensive Form der Agri-PV in der PV-Strategie konkret benannt werde. Die Biodiversität-PV sollte dem Bundesverband zufolge auch auf Flächen genutzt werden, die wegen der Vorgaben der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) aus der landwirtschaftlichen Produktion genommen würden. Dies wäre eine wirksame Antwort auf die Flächenfrage der Energiewende, was in der Strategie erkannt worden sei. 

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