Stromwende braucht Module – made in Europe!

Noch dominiert China den weltweiten Photovoltaik-Markt

Drei Viertel (75 Prozent) der weltweit produzierten Solarmodule seien im Jahr 2021 in China gefertigt worden. Europäische Hersteller hätten lediglich ein Prozent Marktanteil erzielt, der deutsche Anteil daran liege laut der PwC im Promille-Bereich. Derzeit rangiere die gesamte EU Produktionskapazität für Solarmodule deutlich unter der einzelner chinesischer Anbieter, sagte Heiko Stohlmeyer gegenüber dem pv magazine online.

Die Internationale Energieagentur (IEA) forderte in einem Sonderbericht, den sie im Sommer 2022 veröffentlichte und den Sie hier kostenlos aus dem Internet downloaden können (in englischer Sprache, 126-seitige PDF-Datei), vielfältigere Lieferketten für Solarmodule, um einen sicheren Übergang zu Netto-Null-Emissionen zu gewährleisten. Demnach hätte die chinesische Industrie- und Innovationspolitik, die sich aufs Ausweiten von Produktion und Märkte für Solarmodule konzentriere, dazu beigetragen, dass die Photovoltaik in vielen Teilen der Welt zur erschwinglichsten Stromerzeugungstechnologie geworden sei. Zugleich sei es dadurch aber auch zu Ungleichgewichten in den PV-Lieferketten gekommen, heißt es im „IEA Special Report on Solar PV Global Supply Chains“, der nach IEA-Angaben der erste seiner Art sei, den die IEA herausgegeben habe.

Die weltweiten Produktionskapazitäten für Solarmodule hätten sich demnach in den letzten zehn Jahren zunehmend aus Europa, Japan und den USA nach China verlagert, so dass China inzwischen sowohl bei Investitionen als auch bei Innovationen die Führung übernommen hätte. Dem Bericht zufolge liege der Anteil Chinas an allen wichtigen Fertigungsstufen von Solarmodulen heute bei über 80 Prozent. China hätte demnach in den vergangenen zehn Jahren über 50 Milliarden Dollar (48,6 Milliarden Euro) in Photovoltaik-Produktionskapazitäten investiert. Das sei zehnmal so viel wie in Europa gewesen. Mit dem Ergebnis, dass die zehn führenden Lieferanten von PV-Anlagen in China säßen.

Bei Schlüsselelementen wie Polysilizium und Wafern wird dieser Anteil demnach in den kommenden Jahren auf der Grundlage der derzeit im Bau befindlichen Fertigungskapazitäten sogar auf über 95 Prozent steigen.

China habe maßgeblich dazu beigetragen, die Kosten für die Photovoltaik weltweit zu senken, was sich in mehrfacher Hinsicht positiv auf den Übergang zu sauberer Energie auswirkt, sagte der IEA- Exekutivdirektor Dr. Fatih Birol. Zugleich berge der Grad der geografischen Konzentration in den globalen Lieferketten Birol zufolge aber auch potenzielle Herausforderungen, denen die Regierungen begegnen müssten. Die Beschleunigung des Übergangs zu sauberer Energie auf der ganzen Welt werde diese Versorgungsketten weiter belasten, um die wachsende Nachfrage zu befriedigen – was gleichzeitig Chancen für andere Länder und Regionen biete, um die Produktion zu diversifizieren und widerstandsfähiger zu machen.

Die IEA schreibt in ihrem Bericht, dass der weltweite Einsatz von Photovoltaik in einem noch nie dagewesenen Ausmaß wachsen müsse, wenn die internationalen Energie- und Klimaziele erreicht werden sollen. Dies wiederum erfordere eine erhebliche zusätzliche Ausweitung der Produktionskapazitäten, was die Frage aufwerfe, ob die Welt in der Lage sei, rasch widerstandsfähige Lieferketten zu entwickeln.

So muss sich beispielsweise der jährliche Zubau von PV-Kapazitäten in Stromsystemen weltweit bis 2030 mehr als vervierfachen, um den IEA-Pfad zum Erreichen von Netto-Null-Emissionen bis 2050 zu erreichen. Die weltweiten Produktionskapazitäten für die wichtigsten Bausteine von Solarmodulen – Polysilizium, Ingots, Wafer, Zellen und Module – müssten sich bis 2030 gegenüber dem heutigen Stand mehr als verdoppeln, und die bestehenden Produktionsanlagen müssten modernisiert werden.

Während die Länder ihre Anstrengungen zur Emissionsreduzierung beschleunigten, müssten sie auch sicherstellen, dass ihr Übergang zu einem nachhaltigen Energiesystem auf einem sicheren Fundament stehe, sagte Dr. Birol. Ihm zufolge müssten die globalen Lieferketten der Photovoltaik so ausgebaut werden, dass sie

  • belastbar,
  • erschwinglich
  • und nachhaltig seien.

Dem IEA-Bericht zufolge hätten Regierungen und andere Interessengruppen auf der ganzen Welt damit begonnen, den Lieferketten zur Herstellung von Solarmodulen mehr Aufmerksamkeit zu schenken, da hohe Rohstoffpreise und Engpässe in der Lieferkette im letzten Jahr zu einem Anstieg der Preise für Solarmodule um etwa 20 Prozent geführt hätten. Diese Herausforderungen, die insbesondere auf dem Markt für Polysilizium, einem Schlüsselmaterial für die Herstellung von Solarmodulen, zu beobachten seien, hätten weltweit zu Verzögerungen bei der Auslieferung von Solarmodulen und zu höheren Preisen geführt. Der IEA-Sonderbericht komme daher zu dem Schluss, dass diese Herausforderungen in Zukunft noch mehr Aufmerksamkeit und Anstrengungen seitens der politischen Entscheidungsträger erfordern würden.

Der IEA-Bericht habe die PV-Lieferketten von den Rohstoffen bis hin zum fertigen Produkt analysiert und dabei Bereiche wie

  • Energieverbrauch,
  • Emissionen,
  • Beschäftigung,
  • Produktionskosten,
  • Investitionen,
  • Handel
  • und finanzielle Leistungsfähigkeit abgedeckt.

So sei beispielsweise festgestellt worden, dass die stromintensive Herstellung von Photovoltaikanlagen heute größtenteils mit fossilen Brennstoffen betrieben werde, da Kohle in den Teilen Chinas, in denen die Produktion konzentriert sei, eine herausragende Rolle spiele - die Solarmodule müssten jedoch nur vier bis acht Monate lang in Betrieb sein, um ihre Herstellungsemissionen auszugleichen. Diese kurze Amortisationszeit stehe einer durchschnittlichen Lebensdauer von Solarmodulen von etwa 25 bis 30 Jahren gegenüber. Die zunehmende Dekarbonisierung der Elektrizitätsversorgung und die stärkere Diversifizierung der PV-Lieferketten dürften dazu beitragen, den ökologisch (noch) großen Fußabdruck in Zukunft zu verringern, heißt es in dem Bericht weiter.

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Rutscht Europa/Deutschland in eine neue Energie-Abhängigkeit?

Laut aktuellen EU-Handelsstatistiken habe der derzeitige Photovoltaik-Boom in Europa dazu geführt, dass sich die Importe von PV-Modulen aus China im Verlauf des Jahres 2022 verdreifachten. Seien im Februar noch Module im Wert von 885 Millionen Euro nach Europa eingeführt worden, sei dieser Wert bis August auf 2,6 Milliarden Euro gestiegen und im September auf diesem Niveau geblieben, belegen aktuelle Eurostat-Daten. Wobei es sich nicht um einen reinen Preiseffekt handle, da der Anstieg in Tonnen ähnlich stark ausgefallen sei. Im Juni 2022 seien 90 Prozent aller in die EU importierten PV-Module demnach in China produziert worden.

Die Zahlen sprechen für sich. Sie belegen eine Abhängigkeit Europas von chinesischen Photovoltaik- Produzenten – und damit eine Abhängigkeit der europäischen Energiewende von China. Europa laufe somit Gefahr, von einer Abhängigkeit im Energiemarkt in die nächste zu schlittern. Wir lösen uns gerade unter großen politischen und ökonomischen Anstrengungen aus der Energieabhängigkeit von Russland, erklärt Heiko Stohlmeyer dazu. Er fordert im pv magazine, dass die Solarmodulproduktion in Europa massiv ausgebaut werden müsse, um nicht in eine neue Abhängigkeit zu rutschen.

Warum es sich lohnt, die PV-Produktion in Europa und Deutschland auszubauen: 3 Gründe

Da die Diversifizierung eine der wichtigsten Strategien zur Verringerung der Risiken in der Lieferkette weltweit sei, bewerte der IEA Sonderbericht die Chancen und Herausforderungen der Entwicklung von PV-Lieferketten im Hinblick auf die

  • Schaffung von Arbeitsplätzen,
  • den Investitionsbedarf,
  • die Herstellungskosten,
  • die Emissionen
  • und das Recycling.

Er komme hier zu dem Ergebnis, dass neue PV-Produktionsanlagen entlang der globalen Lieferkette bis 2030 Investitionen in Höhe von 120 Milliarden US-Dollar anziehen könnten. Und der PV-Sektor hätte demnach das Potenzial, die Zahl der Arbeitsplätze in der PV-Produktion bis 2030 auf eine Million zu verdoppeln, wobei die arbeitsplatzintensivsten Bereiche in der Herstellung von Modulen und Zellen liege.

Europa – und damit Deutschland – muss sich fragen, ob es einen Teil dieser Investitionen und des Plus an Arbeitsplätzen nicht für sich beanspruchen will.

Das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) weist darauf hin, dass mit dem von Deutschland angestrebten PV-Ausbaupfad auf 215 Gigawatt installierter Leistung im Jahr 2030 ein bisher nie dagewesenes jährliches Installationsvolumen von 22 Gigawatt pro Jahr ab dem Jahr 2026 zu realisieren sei. Der damit verbundene Umsatz in einer Größenordnung von 150 Milliarden Euro dürfte allerdings aus heutiger Sicht zu einem großen Teil nach China fließen, sagte Frithjof Staiß, der geschäftsführende Vorstand des ZSW gegenüber der Presse. Diese Abhängigkeit von chinesischen Herstellern – bei Wafern stammten demnach 96 Prozent der Weltmarktproduktion aus China – würde Staiß zufolge ein erhebliches Risiko für die Realisierung der ambitionierten, für den Klimaschutz und die Energiesicherheit in Deutschland aber zwingend zu erreichenden PV-Ausbauziele darstellen.

Um das Risiko für die Umsetzung wenigstens mittelfristig zu senken und zugleich deutlich größere Teile der PV-Wertschöpfung nach Deutschland und Europa zu holen, riet Staiß dazu, ein sogenanntes Important Project of Common European Interest (IPCEI) für die Photovoltaik zu initiieren. Dazu sollte Deutschland aktiv beitragen und so helfen, die Wertschöpfungskette der Photovoltaik in Europa neu zu etablieren, angefangen von innovativen Produktionsverfahren bis hin zu einem zukunfts- und wettbewerbsfähigen Recycling ausgedienter PV-Anlagen. Staiß wies darauf hin, dass es aus eben diesen Gründen schon IPCEI für Batterien und Wasserstoff gebe, die gleichfalls von herausragender strategischer Bedeutung für den Klimaschutz und die Energiesicherheit in Deutschland und Europa seien.

Bis zum Jahr 2030 sollen hierzulande laut PwC im Jahresdurchschnitt mindestens 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien stammen, spätestens im Jahr 2038 sollen es 100 Prozent sein – die Photovoltaik gelte als eine wichtige Säule im künftigen erneuerbaren Energiemix. Die PwC ermittelte, dass die Photovoltaik 2040 rund 40 Prozent des Stroms liefern müsste. Das entspreche in manchen Jahren einem Zubau von rund 20 GW PV-Leistung – das sei drei Mal so viel wie im bisherigen Rekordjahr 2011, in dem 7,9 GW Leistung verbaut wurden, sagte Heiko Stohlmeyer dem pv magazine.

Die PwC sehe demnach in einer Revitalisierung des deutschen Solarmarkts mehrere Vorteile:

  • eine bessere Energiesicherheit,
  • positive Effekte für Wirtschaftswachstum
  • und Beschäftigung.

Der Photovoltaik-Zubau könnte laut Stohlmeyer in Deutschland bis Mitte der 2020er Jahre zu einem jährlichen Marktvolumen von fünf bis sieben Milliarden Euro allein für Module führen. Hinzu kämen die weiteren Anlagenkomponenten: Wenn deutsche Hersteller wie SMA, Mounting Systems oder Zimmermann PV viel mehr als bislang Wechselrichter, Verkabelung, Montagesysteme oder Transformatoren fertigen würden, wäre das eine gigantische Investition in die deutsche Industrie, erklärte Carl-Maria Bohny, Senior Manager Erneuerbare Energien bei PwC Deutschland dem pv magzine.

Um das Marktvolumen und die mögliche Wertschöpfung daraus in Deutschland zu realisieren, brauche es laut der PwC allerdings Investitionen in Produktionsanlagen in Milliardenhöhe. Davor sollten wir uns aber nicht scheuen: Denn diese Investitionen würden zugleich die deutsche Industrie stärken und Arbeitsplätze schaffen. Die PwC-Berater verweisen in diesem Zusammenhang auch auf die Berechnungen des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW Solar), denen zufolge sich die Zahl der Beschäftigten in der deutschen Photovoltaik-Branche bis zum Jahr 2030 auf rund 100.000 verdoppeln und damit an frühere Höchststände anknüpfen könnte.

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