4 Erfolgsfaktoren für Freiflächen-Photovoltaik

Die deutsche Bundesregierung hat Ende 2021 und 2022 viel getan, um die Energiewende voranzutreiben. Dabei setzt sie stärker denn je auf Solarenergie. Anlagen zur Erzeugung von Solarstrom (Photovoltaik-Anlagen, kurz: PV- Anlagen) sollen an und auf Gebäuden sowie auf Freiflächen installiert werden. Bei PV-Freiflächenanlagen kommt es immer wieder zu Diskussionen zwischen den beteiligten Akteuren. Wir liefern Ihnen mit diesem Beitrag gute Argumente für die Wirtschaftlichkeit von Freiflächen-Photovoltaik und zeigen Ihnen, wie Sie Kritik daran begegnen. Sie lernen unter anderem 4 Erfolgsfaktoren kennen, auf die es beim Umsetzen einer PV-Freiflächenanlage ankommt.

Gestehungskosten von Freiflächen-Solarstrom: Günstiger geht’s nicht!

Mit der Technologie Photovoltaik lässt sich aus der Strahlungsenergie der Sonne nutzbarer Strom erzeugen. Der Solarstrom ist von Natur aus erneuerbar, denn die Sonne ist eine erneuerbare Energiequelle. Zudem ist Solarstrom besonders günstig – es gibt aktuell keine Technologie, mit der sich Strom günstiger gewinnen lässt. Das Fraunhofer Institut für Solarenergie (ISE) beziffert die Produktionskosten für Solarstrom, auch Stromgestehungskosten genannt, für das Jahr 2021 auf:

  • von einer kleinen Dachanlage: 6 bis 11 Eurocent pro Kilowattstunde (kWh)
  • von einer kleinen Dachanlage mit Batterie: 8 bis 20 Eurocent pro kWh
  • von einer großen Dachanlage: 5 bis 10 Eurocent pro kWh
  • von einer großen Dachanlage mit Batterie: 6 bis 15 Eurocent pro kWh
  • von einer Freiflächenanlage: 3 bis 6 Eurocent pro kWh
  • von einer Freiflächenanlage mit Batterie: 5 bis 10 Eurocent pro kWh

Ein Blick auf die zugehörige Grafik des ISE belegt, dass keine der alternativen Technologien zur Stromerzeugung günstiger Strom erzeugt, als Freiflächen-Photovoltaik:

Stromgestehungskosten für erneuerbare Energien und konventionelle Kraftwerke an Standorten in Deutschland im Jahr 2021. Grafik: ©Fraunhofer ISE

Zum Vergleich dazu: Der Strompreis Ende Januar 2023 lag bei den Grundversorgern bei knapp 0,49 Euro je kWh und bei den Ökostromanbietern bei rund 0,40 Euro je kWh.

Interesse an Photovoltaik-Freiflächenanlagen ist seitens der Politik sowie der Projektplaner und Investoren groß, aber...

Die große Differenz zwischen dem Preis für Solarstrom von einer Freiflächenanlage und dem Strom aus der Steckdose, den der Grundversorger beziehungsweise Ökostromanbieter liefert, bedeutet, dass man mit Solarstrom aktuell lukrative Gewinne machen kann – die Gewinnmargen sind entsprechend hoch. Das Interesse seitens Projektentwicklern und Investoren ebenso.

Dieses Interesse wird zusätzlich gestärkt vom politischen Ziel, das die Bundesregierung sich mit dem novellierten Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gesetzt hat, das seit Jahresbeginn 2023 in Kraft ist: Bis zum Jahr 2030 sollen mindestens 80 Prozent (vier Fünftel) des Bruttostroms hierzulande aus erneuerbaren Energiequellen wie Sonne, Wind und Wasser stammen, wobei sich diese Angabe auf den in Deutschland erzeugten und verbrauchten Strom bezieht. Das Ausbauziel für Photovoltaik im Jahr 2030 beziffert die Bundesregierung laut Ausbaupfad im § 4 im EEG 2023 auf 215 Gigawatt (GW) – die hälftig von Anlagen an und auf Gebäuden und hälftig von Freiflächenanlagen kommen sollen. Mehr dazu erläutern wir Ihnen in unserem Beitrag „EEG 2023: Was ändert sich mit dem neuen Gesetz für Photovoltaik-Freiflächenanlagen?“ hier auf dem Blog. Das macht also jeweils gut 107 GW für Gebäudeanlagen und für Freiflächenanlagen.

Das Ausbauziel heißt auch, dass sich die laut dem Bundesverband Solarwirtschaft e.V. (BSW Solar, Stand: Ende 2021) aktuell in Deutschland installierte Photovoltaik-Leistung von insgesamt rund 60 GW, die von 2,2 Millionen Photovoltaik-Anlagen stammen, im laufenden und den folgenden Jahren bis 2030 mehr als verdreifachen soll.

Soweit zu den Plänen. Alle Zeichen stehen demnach auf Grün für Freiflächenanlagen. Ein Blick ins Leben – widergespiegelt von den Medien – zeigt ein anderes Bild: Die folgende Momentaufnahme zu Schlagzeilen rund um Freiflächen-Photovoltaik und Solarparks ist von Ende Januar. Wir haben als Keyword zur Suche für die Internetsuchmaschine Google „doch kein Solarpark“ eingegeben und erhielten die folgenden Schlagzeilen in den Suchergebnissen 1 bis 10:

Die sieben Schlagzeilen belegen, dass so manche angedachte Photovoltaik-Freiflächenanlage nicht realisiert wird. Die Gründe dafür sind vielfältig: Die ortsansässige Bevölkerung leistet beispielsweise Widerstand, weil

  • sie selbst schlechte Erfahrungen mit ähnlichen Vorhaben gemacht hat oder zumindest aus verlässlicher Quelle von solchen weiß.
  • sie sich um die landschaftlichen Veränderungen sorgt, die der Bau einer Photovoltaik-Freiflächenanlage mit sich bringt.
  • sie negative Auswirkungen auf die lokale Pflanzen- und Tierwelt (Flora und Fauna) fürchtet.

Was die Schlagzeilen auch bedeuten: Für die erfolgreiche Umsetzung einer Photovoltaik-Freiflächenanlage ist die Zustimmung der Gemeinde und ihrer Einwohner unerlässlich. Schließlich trifft die Gemeinde die Entscheidung für oder wider eine PV-Freiflächenanlage auf ihrem Gebiet: Denn in Deutschland hat sie die kommunale Planungshoheit. An der Entscheidung beteiligt sind unter anderem die Ortsvorsteher und Bürgermeister, kommunale Fachausschüsse, die Gemeindevertreter, die Stadtverordnetenversammlung und selbstverständlich die Anwohner. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag: „Die Rolle der Gemeinde beim Genehmigen vom Solarpark“. Erteilt die Gemeinde keine Genehmigung, ist das das Aus für die Anlage.

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Photovoltaik-Freiflächen realisieren: Auf diese 4 Erfolgsfaktoren kommt es an!

In seiner Onlineausgabe veröffentlichte das PV Magazine einen Beitrag von Frederik König. Er ist der Gründer und Geschäftsführer der Strategischen Kommunikationsberatung Collective mit Sitz in Berlin. König nennt darin vier Faktoren, die von Investoren in Freiflächen-Photovoltaik berücksichtigt werden sollten, um eine Freiflächenanlage erfolgreich umzusetzen.

Erfolgsfaktor 1: Von Beginn an ehrlich und transparent mit den lokal beteiligten Akteuren kommunizieren

König zufolge seien Bürger und Kommunen in Gesprächen mit Investoren häufig misstrauisch, wenn es um Freiflächen-Photovoltaik gehe. Das Misstrauen dieser für die Genehmigung der Anlage bedeutsamen Akteure erwachse demnach oft aus schlechten Erfahrungen, die diese mit anderen Projekten gemacht hätten. König schreibt, dass „falsche Versprechungen“ leider alltäglich seien. Ihm und seinem Team seien Fälle untergekommen, wo die Investoren den Gemeinden zwar bestimmte Zuwendungen zugesagt hätten, diese nach der Umsetzung des Photovoltaik-Projekts aber nur teils oder gar nicht erfüllt hätten. Solche Negativbeispiele würden das Vertrauen gegenüber Investoren grundsätzlich mindern. Zurückgewinnen lasse sich das Vertrauen laut Frederik König nur mit konsequent transparenter und ehrlicher Kommunikation.

Der Kommunikationsexperte rät Investoren deshalb, im Vorwege zwingend und sicher abzuklären, wie groß die Verhandlungsmasse ist, die sie realistischerweise in das Projekt mit einbringen könnten. Zudem sollten insbesondere die folgenden Fragen im Vorfeld geklärt werden:

  • Was bringt die PV-Freiflächenanlage an Vorteilen für die Gemeinde?
  • Wann ist mit diesen Vorteilen für die beteiligten Akteure zu rechnen?
  • Welche Umstände verursacht die Anlage kurz- und langfristig, also von der Planungsphase über die Bauphase, die Betriebsphase und danach?

Investoren, die anderswo schon erfolgreich PV-Freiflächenanlagen realisiert hätten, sollten genau darüber reden und den an neuen Vorhaben beteiligten Akteuren Referenzen vorlegen, rät König weiter. Zudem verweist er darauf, dass strategische Partnerschaften mit ortansässigen etablierten Akteuren, zum Beispiel die örtlichen Stadtwerke, die Kredibilität der Investoren erhöhen würden. Darüber hinaus könnten Investoren punkten, indem sie sich für ihr Handeln freiwillig Regeln auferlegten. Als Beispiel für eine solche Selbstverpflichtung nennt König „Gute Planung“ vom Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne). Damit sorgten Investoren zusätzlich für juristische Sicherheit.

Erfolgsfaktor 2: Attraktives Angebot machen

Laut Frederik König wüssten die Gemeinden und ihre Bewohner sehr wohl, dass sich Photovoltaik-Freiflächenanlagen rechnen. Ihm zufolge würde so manche deutsche Gemeinde mit Angeboten für große PV-Anlagen auf ihren dafür geeigneten Freiflächen überschüttet. Es gelte: Mit dem steigenden Interesse verbessere sich auch die Verhandlungsposition für die Gemeinden. So gebe es nicht wenige Fälle, in denen sie den Investor wählen könnten.

Zahlreiche Investoren hätten bereits auf diese Marktentwicklung reagiert, schreibt König weiter. Zum Beispiel, indem sie den Gemeinden und ihren Bewohnern mehr vom Gewinn abgäben, mehr sogar, als es die Gesetze vorschreiben würden. Mit Blick auf Angebote aus der Praxis erklärt König, dass sich Photovoltaik-Freiflächenanlagen für beide Seiten, Investoren wie lokale Akteure in Summe, lohnen würden. Ihm zufolge umfasse eine erfolgreiche Beteiligung zum Beispiel:

  • günstige Bürgerstromtarife,
  • preislich attraktive Solarmodule für Anwohner
  • oder exklusive Solaranlagen für die Gemeinde.

Den Investoren rät König, attraktive Angebote zu schnüren und dafür durchaus auch kreativ zu werden, um sich von der Konkurrenz abzuheben. Zudem sollten sie mit ihrem attraktiven Angebot proaktiv auf die Gemeinden zugehen.

Erfolgsfaktor 3: Vorgehen klar erklären und mit den Beteiligten abstimmen

König verweist des Weiteren darauf, dass das administrative Vorgehen zur Umsetzung einer Photovoltaik-Freiflächenanlage variiere – und zwar von Gemeinde zu Gemeinde und von Bundesland zu Bundesland. Die Vorgehensweise würde sich demnach ähneln, doch die Genehmigungsverfahren seien in Deutschland nicht einheitlich.

Aus Erfahrung berichtet der Kommunikationsexperte König, dass sich häufig erst im direkten Austausch aller Beteiligten ergeben würde, wer für was zuständig sei. Er führt auch an, dass die personellen Kapazitäten der Gemeinden oft begrenzt seien. Der Grund: Viele Stellen auf Entscheidungsebene wären nur ehrenamtlich besetzt. Zudem mangele es vielen Gemeinden (noch) an Erfahrungen – sie hätten zum ersten Mal mit Investoren oder größeren externen Entwicklungsprojekten zu tun. Daraus ergäben sich für beide Seiten am Verhandlungstisch Unsicherheiten.

König empfiehlt Investoren daher, ihr Vorgehen unmissverständlich zu erklären und mit den Beteiligten abzustimmen. Sie sollten sich zudem genügend Zeit für Hintergrundgespräche, Abstimmungsrunden und Rückfragen nehmen und diese in den Zeitplan für das Projekt aufnehmen. Laut König gelte, dass es für Investoren besser sei, zu viele als zu wenige Akteure in das Projekt miteinzubeziehen – und auch auf individuelle Befindlichkeiten zu achten.

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Erfolgsfaktor 4: Wege zu allen Gemeindemitgliedern suchen und finden

Investoren würden laut Frederik König häufig Bürgerversammlungen nutzen, um ihre Pläne für die Freiflächenanlage zu präsentieren und Fragen seitens der Gemeinde zu beantworten. Er weist an dieser Stelle auf das Konfliktpotential einer Bürgerversammlung hin. Denn wenn die Investoren den Bürgern Antworten schuldig blieben, was insbesondere während der Frühphase der Planung völlig normal sei, könne die Stimmung schnell kippen.

Daher rät König den Investoren, den aktuellen Stand des Projekts „PV-Freiflächenanlage“ stets transparent zu kommunizieren. Die Message müsse so formuliert werden, dass sie bei jedem Gemeindemitglied ankomme. König erklärt zudem, dass klassische Bürgerversammlungen häufig nur diejenigen erreichen würden, die das Projekt direkt beträfe – und die dieses daher oftmals kritisch sähen.

Es lohne sich dem Kommunikationsexperten zufolge, die Kommunikationswege auszuweiten, um größere Teile der Gemeinde anzusprechen, zum Beispiel mit Infoständen, Anwohnergesprächen und Besichtigungsterminen auf der Freifläche. Damit punkte man als Investor insbesondere dann, wenn man die Gemeindemitglieder überdurchschnittlich am Projekt profitieren lassen wolle, zum Beispiel mit einem vergünstigten Stromtarif.

Abschließend schreibt Frederik König, dass zu beobachten sei, dass Gemeinden und Investoren verstärkt kollaborierten. Bei der Umsetzung von Photovoltaik-Freiflächenanlagen gehe es immer seltener um Vorteile für nur eine Seite. Stattdessen würden die beteiligten Akteure sich auf das Projekt fokussieren, um gemeinsam davon zu profitieren. Scheiternde Projekte würden demnach oft gegenseitiges Unverständnis belegen. Das ließe sich laut König nur auflösen, wenn man eine gemeinsame Sprache spreche und offen miteinander kommuniziere.

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